1945 – 1986

Der Hundert-Tore-Sturm als Opfer der Politik

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs treffen sich die Vertreter von sechzehn süddeutschen Spitzenklubs und gründen die “Süddeutsche Oberliga”. Mit dabei sind auch die Kickers. Die Liga startet bereits im Herbst 1945 wenige Wochen nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs mit dem Spiel VfB Stuttgart gegen den Karlruher FV auf dem Kickers-Platz in Degerloch. Das Neckarstadion ist als “Century Stadium” von den Amerikanern zunächst beschlagnahmt. Die Kickers, der VfB und der 1. FC Nürnberg kristallisieren sich als die drei stärksten Mannschaften heraus.

Nach dem siebten Platz 1947 folgt das bis heute erfolgreichste Kickers-Jahr der Geschichte. Es ist in den Fußball-Annalen Süddeutschlands unter dem Oberbegriff “Hundert-Tore-Sturm” der Nachwelt überliefert. Genau 113 Treffer setzt der Wundersturm in dieser Saison in die gegnerischen Maschen. 55 000 Zuschauer kommen zum Derby, 30 000 bis 40 000 Zuschauer strömen zu den Kickers ins Neckarstadion. Gemessen an den Länderspielen ragen Edmund Conen, Helmut Jahn, Albert Sing und Reinhard Schaletzki heraus. Die politischen Verhältnisse verweigern den Kickers die Teilnahme an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft: Anstatt eines Ausscheidungsspiels gegen Eintracht Braunschweig zu bestreiten, durfte der Meister der Sowjetzone ohne Ausscheidungsspiel teilnehmen. Der Teilung Deutschlands soll wenigstens sportpolitisch entgegengewirkt werden, die Kickers müssen zuschauen. Die Plakate für das Relegationsspiel waren schon gedruckt.

Nur noch Nummer Zwei

Die spielerisch hochklassige Mannschaft des “Hundert-Tore-Sturms” rutscht im folgenden Jahr ins Mittelfeld ab und steigt 1950 sogar erstmals in der Vereinsgeschichte ab. Genau im selben Jahr wird der VfB Stuttgart erstmals Deutscher Meister. Der Abstieg ist in erster Linie am Tod des Leiters der Kickers-Fußballabteilung, dem jüdischen Lederfabrikanten Hugo Nathan, festzumachen. Er kämpfte um die Selbständigkeit der Fußballabteilung, doch kann er sich nicht durchsetzen. Innerhalb von zwei Jahren fällt die Mannschaft auseinander, Spieler wie Günter Sosna wandern in die Schweiz aus und werden dort sogar Schweizer Torschützenkönig. Ein Jahr später gelingt der sofortige Wiederaufstieg.

Erstmals zweitklassig: die Kickers 1950

Die zwei letzten Spieler des Hundert-Tore-Sturms, Conen und Schaletzki, führen die Mannschaft zur Meisterschaft in der Zweiten Liga. Der Aufstieg wird am letzten Spieltag mit einem standesgemäßen 10:1 Sieg gegen Konstanz gefeiert, Siegfried Kronenbitter erzielt dabei sechs Treffer. Schon damals gilt der Kickers-Platz als Hexenkessel: Die Berichterstatter sind von dem widerlichen Gejohle und Geschreie der Kickers-Anhänger empört. Der Verein muss die Begleiter der Auswärtsspielen sogar davon abhalten, mit den Spielern schon vor den Matches zu feiern.

In den folgenden Jahren stehen die Kickers öfters vor dem erneuten Abstieg in die Zweitklassigkeit. 1956 und 1957 hilft nur das bessere Torverhältnis. Dann folgen Abstieg, Aufstieg und wiederum Abstieg. 1962 droht sogar der Abstieg in die Dritte Liga. Pal Csernai bewahrt die Kickers in Aschaffenburg mit einem “Wembley-Tor” in der letzten Spielminute vor dem Abstieg, die Kickers bleiben zweitklassig. Noch heute bezweifelt Csernai dass der Ball wirklich mit vollem Umfang hinter der Linie war.

1954 verlieren die Kickers durch den Bau des Fernsehturms einen Teil des Vereinsgeländes, darunter zwei Hockeyspielfelder. Am 01. Februar 1957 genehmigt eine außerordentliche Mitgliederversammlung die Gründung des Hockey- und Tennisclub Stuttgarter Kickers e. V.

Real Madrid und die Deutsche Meisterschaft

Gegen Real Madrid

Die Kickers schaffen durch einen konsequenten Neuaufbau die Qualifikation zur neugegründeten Regionalliga Süd. Wenigstens mit dem VfB kann man sich noch messen: Zwei Wochen nach einem Freundschaftsspiel des VfBs gegen den FC Santos mit Pelé treten die Kickers gegen die damalige Wundermannschaft Real Madrid an. Das Spiel gegen di Stefano, Puskas und Gento geht mit 1:5 verloren. Nach zweijährigem Überlebenskampf folgt die Konsolidierung und 1967 ein neuer Vereinsvorstand: Walter Queissner wird der 15. Präsident seit 1945 und übt dieses Amt 12 Jahre lang aus. In diesem Jahr wird der vierte Platz erreicht und in den Jahren danach bis 1969 verteidigt. Darauf folgen Jahre der Behauptung im Mittelfeld und die Qualifizierung zur neuen Zweiten Bundesliga 1974. Es folgen zwei Jahre bitterer Abstiegskampf und 1975 der Abstieg des VfB Stuttgarts in die Zweite Bundesliga. Trotz eines großzügigen Erbes fehlt es den Kickers an flüssigen Mitteln, dieses ist in einem Großprojekt investiert. Der DFB hatte unter Androhung des Lizenzentzuges den Abriss der alten Holztribüne und einen Bau einer neuen, moderneren Tribüne gefordert.

A-Jugendmeister 1979

1979 werden die Kickers für ihre hervorragende Jugendarbeit belohnt. Die Talente um Guido Buchwald, Aki Müller und Toni Kurbos werden Deutscher A-Jugend Meister. In diesem Jahr wird der ehemalige Kickers-Spieler und Sohn des Staatskapellmeisters Josef Dünnwald, Axel Dünnwald-Metzler, Präsident. 1980 und 1981 erreichen die Kickers jeweils den dritten Platz. Es folgen wiederum Jahre der Mittelmäßigkeit; gerät der Verein in Abstiegsgefahr, werden die Trainer ausgetauscht und es geht wieder aufwärts. 1986 rettet der Trainerneuling Dieter Renner die Kickers vor dem Abstieg und führt die Mannschaft ins Mittelfeld.

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