1899 – 1945

Die Kickers werden gegründet

Ohne Kickers kein VfB – und ohne VfB keine Kickers

Im Jahre 1899 setzt sich eine Gruppe junger fußballverrückter Männer zusammen, um die Trennung von ihrem Stammverein, dem Cannstadter Fußball-Club, zu beschließen. Dort will man nur noch Rugby spielen, aber keinen Assoziations-Fußball mehr. Am 21. September 1899 beschließen schließlich die 21 Gründungsmitglieder die Stuttgarter Cickers ins Leben zu rufen, die sich unter ausdrücklichem Ausschluß von Rugby auf Fußball und Leichtathletik konzentrieren sollen.

Die Gründungsmannschaft von 1899

Diese Cickers sind nicht nur der Ursprung der heutigen Stuttgarter Kickers, sondern sie sind gleichzeitig auch am Emporkommen des heutigen VfB Stuttgart beteiligt. Als die Anhänger des Rugbysports trotz des ablehnenden Beschlusses der Gründungsversammlung die Einführung dieser Sportart im Verein erzwingen wollen, treten diese 1902 nach einer erneuten Ablehnung durch die Vollversammlung geschlossen aus und treten zum FV 1893 über. Später wird aus diesem FV 1893 durch verschiedene Fusionen der heutige VfB Stuttgart. Ein besondere Rivalität, die sich bis heute gehalten hat und nicht mit anderen, wie in München oder Hamburg, zu vergleichen ist. Ohne die Kickers kein VfB und ohne VfB keine Kickers. Ein Satz, der trotz seinen Widerspruchs die Realität widerspiegelt.

Der Blaue Adel erweist sich die Ehre

Am 08. Oktober 1899 bestreiten die jungen Cickers ihr erstes Fußballspiel gegen den Stuttgarter Fußballklub und sie gewinnen gleich deutlich mit 11:0. Am 08. Juli 1900 treten die jungen Cickers als erster Stuttgarter Verein dem Süddeutschen Fußballverband bei und besiegen in ihrem Einstandsspiel auf dem damaligen Domizil Stöckachplatz den 1. FC Pforzheim mit 4:2.

Die erste Tribüne aus dem Jahr 1910

Die Anfangsjahre des jungen Vereins waren von der Spielplatzsuche geprägt. Weder der Cannstatter Exerzierplatz noch der Volksfestplatz kamen in Frage, in Degerloch waren alteingesessene Vereine dicht besetzt. Also blieb die Wahl zwischen der Feuerbacher Heide und dem Stöckachspielplatz. Dieser wurde schließlich für Sonntag morgen zwischen 10 und 12 Uhr gepachtet. Wettspiele konnten dort allerdings nicht ausgetragen werden, diese durften bis zu vier Sonntage im Jahr auf dem grossen Platz gegenüber stattfinden. Bereits ein Jahr nach Vereinsgründung entzog die Stadt den Kickers den Sportplatz, weil sie trotz Platzsperrung nach schlechtem Wetter das Verbandsspiel gegen den Karlsruher FV (0:9) austrugen. Erst der damalige Oberbürgermeister der Stadt Heilbronn, Dr. Göbel, machte der Heimatlosigkeit ein Ende und die Kickers konnten auf den Stöckachplatz zurückkehren. In der Zwischenzeit gastierten die Kickers ein Jahr lang beim Kronenclub Cannstadt, auf dem Weissenhof und in Ostheim. Erst 1903 war die Suche nach einer Heimat erfolgreich. Die Stadt teilte den Kickers mit, dass zum 01.11.1903 die auf dem Exerzierplatz in Degerloch auf der linken Seite befindlichen Äcker, Gärten etc. neu in Pacht gegeben werde. Die Kickers schlugen zu und wandelten die Äcker in einen Fußballplatz um.

Schon sehr früh wird im Verein klar, dass der Jugend der Zukunft gehört. Daher wird bereits im Jahre 1900 durch Hans Trapp und Julius Megner eine Jugendabteilung gegründet, die Keimzelle des Vereins bis heute.

Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1908

Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 sind sie ohne Unterbrechung Württembergischer Meister, teilweise auch weil einfach kein Gegner aus Württemberg zur Verfügung stand. Der bahnbrechende Erfolg über Württemberg hinaus gelingt in der Saison 1907/08 mit dem Gewinn der Süddeutschen Meisterschaft und der Teilnahme an den Spielen um den Deutschen Titel. Im ersten Ausscheidungsspiel wird der Freiburger FC mit 5:1 deutlich besiegt. Im Halbfinale besiegen die Cickers den haushohen Favoriten, den Duisburger Spielverein, ebenfalls mit 5:1. Im Endspiel in Berlin gegen den amtierenden Deutschen Vizemeister Viktoria Berlin setzt es eine klare 0:3 Niederlage. Neben der Endspielteilnahme beschert diese Saison aber einen damals als sensationell empfundenen Erfolg besonderer Art: Seine Königliche Hoheit, Herzog Ulrich von Württemberg, übernimmt die Schirmherrschaft über die Kickers und bekundet auch später durch Teilnahme an allen großen Veranstaltungen des Vereins sein Interesse. Damit rücken die Kickers auch in gesellschaftlicher Hinsicht in die vordere Reihe der Stuttgarter Vereine. Am 06. August 1913 wird die Hockeyabteilung der Kickers gegründet. Im Jahr 1914 werden die Kickers zum zweiten Mal Süddeutscher Meister.

Auch der Verein selbst entwickelt sich weiter. 1919 führen die Kickers eine Unfallvorsorge für Vereinsmitglieder ein, ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und werden damit Vorbild für eine Reihe auswärtiger Vereine. 1920 wird der Fußballclub Stuttgarter Kickers in den Sportverein Stuttgarter Kickers umbenannt, um die universelle sportliche Betätigung des Vereins zum Ausdruck zu bringen. Die Mitgliederzahlen der Blauen entwickeln sich prächtig. Von 26 Mitglieder im Jahre 1899 erhöht sich die Zahl bis 1924 auf 2010 Mitglieder.

Fußball im Schatten des Nationalsozialismus

Nach Ende des Ersten Weltkrieges verdichtet sich in Württemberg das Feld der Konkurrenten. Die Kickers verloren im Laufe des ersten Weltkrieges 100 Mitglieder, 775 Vereinsmitglieder sind übrig geblieben, davon 230 aktive Fußballer und 187 Zöglinge (Jugendliche). Trotzdem gewinnen die Kickers 1921, 1924 und 1925 den Württembergischen Meistertitel. 1927 taucht erstmals der VfB Stuttgart als Rivale auf, doch im nächsten Jahr kontern die Kickers und werden erneut Württembergischer Meister. 1932 gelingt es der Nachwuchsmannschaft die süddeutsche Pokalmeisterschaft zu erringen. Es beginnt 1933 das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte.

Kämpfer, Könner, Kameraden

Die Süddeutschen Spitzenvereine unterzeichnen am 09.April 1933 eine Erklärung, wonach sie sich zum Ausschluss von Juden und Marxisten verpflichten. Auch die Kickers müssen ihre jüdischen Wurzeln verleugnen und unterzeichnen diese Erklärung. Der Zeitraum, bis wann dies umgesetzt wird, ist nicht geregelt. Und so halten sich die Vereine unterschiedlich daran. Die Kickers sind direkt betroffen: Ihr jüdischer Trainer Fritz Kerr wird durch den ehemaligen Nationalspieler Adolf Höschle ersetzt.

Fußball wird weiterhin gespielt: Nach dem neuerlichen Titelgewinn 1933 und dem zweiten Platz 1935 wird ein Neuaufbau angestrebt. Nachdem der VfB Stuttgart 1935 bis ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Schalke 04 (4:6) eindringen kann, gewinnen die Kickers 1936 wiederum die Württembergische Meisterschaft. Nach einem erneuten Zweiten Platz 1938 durch eine Niederlage im letzten Spiel gegen den VfB erreichen die Kickers 1939 mit sieben Punkten Vorsprung ihre 24. Württembergische Meisterschaft. In den Endrundenspielen um den Deutschen Titel spielen nun auch die Vereine Österreichs mit. Beim 1:1 der Kickers gegen Admira Wien strömen 65 000 Zuschauer in das heutige Gottlieb-Daimler-Stadion, damals noch mit dem Namen “Adolf-Hitler-Kampfbahn” bedacht. Den Kickers reicht im letzten Spiel in Dessau schon ein Unentschieden zum Gruppensieg. Doch der spätere Kickers-Stürmer Schmeisser erzielt den 1:0 Siegtreffer für Dessau und Wien wird durch das bessere Torverhältnis Gruppensieger und zieht in die nächste Runde der Deutschen Meisterschaft ein.

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