2001 – 2010

Abstieg und Zwangsrealismus

Trainer Rainer Zobel stellt eine spielerisch grandiose Mannschaft für den sofortigen Wiederaufstieg zusammen. Der Abstieg sollte lediglich ein Betriebsunfall sein. Doch weit gefehlt. Die neu zusammengestellte Mannschaft startet miserabel in die Saison – die Kickers trennen sich nach einem Desaster im DFB-Pokal bereits nach vier Ligaspielen von Trainer Rainer Zobel. Nachfolger wird sein Cotrainer Markus Sorg. Dieser schafft in einem nervenaufreibenden Saison immerhin Platz neun. Im Dezember drohte noch der Untergang in die vierte Spielklasse, der Oberliga Baden-Württemberg.

Die neue Saison 2002/03 soll allerdings auch nicht viel besser werden. Zwar fallen keine großtönigen Versprechungen, doch oben mitspielen will man schon. Der neue Trainer Rainer Adrion schafft zwar einen kurzen Aufschwung, rein sportlich schafft er den Klassenerhalt allerdings nicht. Am letzten Spieltag haben die Kickers spielfrei, ein Tor fehlt letztlich zum sportlichen Klassenerhalt. Am 16.06.2003 dann das Zweite Blaue Wunder: Durch die Insolvenz des Zweitligisten SV Waldhof Mannheim bleiben die Kickers in der Regionalliga. Richtige Freude mag sich nicht einstellen. Spätestens jetzt war allerdings wohl auch dem letzten Blauen klar: Noch einmal sollten das Glück nicht herausgefordert werden.

Ehrenpräsident Axel Dünnwald-Metzler †

Eine Ära bei den Blauen geht zu Ende. Präsident Axel Dünnwald-Metzler scheidet am 16.07.2003 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt – nach 24 Jahren. Seine Lebenswerk – die Stuttgarter Kickers – übernimmt Hans Kullen. Am Dienstag, dem 6. April 2004, stirbt Axel Dünnwald-Metzler. Eine riesengroße Trauergemeinde erweist ihm die letzte Ehre. Neben dem kompletten Spielerkader nehmen auch viele Freunde und Weggefährte aus Sport, Politik und Gesellschaft mit seiner Frau Ursi und seinen beiden Kindern Alexandra und Alexander Abschied von ADM.

Konsolidisierung in die Viertklassigkeit

Hans Kullen übernimmt einen Verein am Boden. Die Kickers stehen kurz vor der Insolvenz, der Antrag liegt schon unterschriftsreif zum Unterschreiben bereit. Doch Hans Kullen kämpft hartnäckig und wendet die Insolvenz ab. Das Überleben des Vereins ist vorerst gesichert.

Sportlich schafft Trainer Rainer Adrion keine Verbesserung. Nach dem Ausscheiden des schlechtesten Drittligatrainers der Vereinsgeschichte müssen die Kickers wiederum aus finanziellen Gründen den Co-Trainer zum Cheftrainer befördern. Robin Dutt übernimmt das Zepter. Und diese Notbesetzung entwickelt sich zum Glücksgriff. Mit Selbstbewusstsein und ungewohnter offensiver Pressearbeit befördert Dutt einige Oberligaspieler in die Regionalliga und schafft die sportliche Wende.

Pokalchoreo gegen den HSV

Platz Neun, 15 und in der ersten Saison unter Dutt erneut Platz Neun. Der sportliche Niedergang in der Regionalliga ist gestoppt. Die Konsolidierungsphase ist endgültig eingeläutet. Als Krönung holt Dutt mit seiner Mannschaft den WFV-Pokal und die Kickers qualifizieren sich damit für den DFB-Pokal. Präsident Hans Kullen räumt resolut auf – auch einige alteingesessene “Kickers-Leute” müssen gehen. Nach einem grandiosen Start in die Saison 2006/07 dürfen die Kickers von der Rückkehr in die 2. Liga träumen, schlagen zudem sensationell die Bundesliga-Spitzenmannschaft Hamburger SV im Pokal. Doch dieser Höhepunkt leitet den Niedergang ein, die Kickers werden durchgereicht und landen schließlich auf Platz vier. Der überdurchschnittliche Angriff mit Christian Okpala und Mirnes Mesic wird im Laufe der Saison abgegeben. Präsident Hans Kullen wird gegangen. Am Ende der Saison verlässt Trainer Robin Dutt den Verein und wechselt zum SC Freiburg.

Kickers schaffen Qualifikation zur 3.Liga am letzten Spieltag

Qualifikation zur 3.Liga am letzten Spieltag

Die Saison 2007/2008 steht ganz im Zeichen der Relegation zur eingleisigen Dritten Liga. Die Vereine rüsten auf und die Stuttgarter Kickers schaffen nachdem sie deutlich abgeschlagen waren in letzter Sekunde noch die Qualifikation für die eingleisige Dritte Liga. Der unbeschreiblichen Jubel beim letzten Saisonspiel in Elversberg sollte allerdings für lange Zeit der letzte gewesen sein. Die Stuttgarter Kickers steigen chancenlos erstmals in der Vereinsgeschichte in die Viertklassigkeit ab.

In der Regionalliga Süd angekommen erreicht der neue Trainer Dirk Schuster mit einem komplett umgekrempelten Team, das zum Großteil aus der zweiten Mannschaft der Vorsaison besteht, einen respektablen neunten Platz. Die schlechte Chancenauswertung und zu viele Unentschieden verhindern sogar eine noch bessere Platzierung. Ihre erste und einzige Heimniederlage kassieren die Blauen am letzten Spieltag. Während die Kickers auf die eigene Jugend bauen und sich finanziell erholen, erweist sich die Regionalliga immer mehr als Totengräber traditionsreicher Vereine: Insgesamt sechs Mannschaften müssen in den drei Staffeln aus finanziellen Gründen absteigen.

111 Jahre Stuttgarter Kickers

Im 111. Vereinsjahr wollen sich die Kickers nun im Spitzenfeld der Regionalliga etablieren, um in der nächsten Saison den Aufstieg in die 3. Liga in Angriff zu nehmen. Bis auf Torschützenkönig Mijo Tunjic verlässt kein Stammspieler die junge Truppe, die gezielt mit passenden Charakteren verstärkt wird. Am 21. September werden die Kickers 111 Jahre alt. Am 9. Oktober, den nächsten spielfreien Samstag nach dem Geburtstag, feiert der Verein dieses Jubiläums mit der Neuauflage des Endspiels um die deutsche Meisterschaft von 1908 gegen Viktoria Berlin.