1994 – 2001

Dritte Liga und Wiederaufstieg

Dem erstmaligen Abstieg in die Drittklassigkeit soll der sofortige Wiederaufstieg folgen. Dafür wird sogar Neu-Trainer Paul Sauter aus einem laufenden Vertrag herausgekauft. Doch die Auswärtsschwäche macht schon früh alle Hoffnungen zunichte. Die SpVgg Unterhaching spielt eine konstante Saison und wird Meister der Regionalliga. Unterdessen sorgen die Kickers im DFB-Pokal für die Bestätigung ihres Rufes als Pokalmannschaft und werfen mit dem SC Freiburg einen Bundesligisten aus dem Rennen. In der Dritten Runde scheitern sie aber unglücklich am Karlsruher SC. Die Kickers spielen zwar nach der frühen Entlassung von Sauter unter ihrem neuen Trainer und Manager in Personalunion, Wolfgang Wolf, eine sagenhafte Rückrunde und erzielen 96 Tore, doch Unterhaching kann einen Drei-Punkte-Vorsprung ins Ziel retten. Dieser Zauberfußball in der Rückrunde lassen die Fans auf einen Aufstieg im neuen Jahr hoffen, obwohl Jonathan Akpoborie, der in 32 Spielen 37 Tore erzielt, den Verein verlässt. Gehen muss auch der damalige Ergänzungsspieler Tayfun Korkut, der sich unter Wolf keinen Stammplatz erobern kann. Wenig später wird er bei Fenerbahce Istanbul Türkischer Nationalspieler und sein Jahresgehalt liegt weit über der Millionengrenze.

Eintrittskarte der Meistersaison 95/96

Im folgenden Jahr gelingt den Kickers der ersehnte Wiederaufstieg. Die Mannschaft wird gezielt verstärkt, indem vom stärksten Konkurrenten SSV Ulm Torsten Raspe und Torjäger Markus Beierle verpflichtet werden. Erst am 16. Spieltag setzt es die erste Niederlage. Obwohl die Kickers fünf Spiele hintereinander nicht gewinnen können, steigen sie schließlich mit neun Punkten Vorsprung auf den Zweiten VfR Mannheim auf. Auch in dieser Saison findet der Höhepunkt im DFB-Pokal statt: Vor einem Millionenpublikum vor den Fernsehern bringen die Blauen den FC Bayern München im Gottlieb-Daimler-Stadion an den Rande einer Niederlage. Knapp mit 0:1 muss man sich geschlagen geben. Der verlorene Sohn Jürgen Klinsmann kann leider nicht mitzurückkehren, verletzungsbedingt muss er auf einen Einsatz bei den Bayern verzichten.

Verletzungspech und der Retter aus Meppen

Die Euphorie des Aufstiegs rettet die Mannschaft in die neue Saison hinein. Im ersten Spiel der neuen Saison gewinnen die Blauen mit 4:0 beim Mitaufsteiger Rot-Weiß Essen. Das folgende Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern sehen 25 000 Zuschauer. Sie sehen aber auch die erste Niederlage seit 37 Heimspielen. Durch zwischenzeitliches Verletzungspech, das Spiel gegen Zwickau musste wegen der vielen Verletzten sogar verlegt werden, geraten die Kickers sogar kurzzeitig in Abstiegsgefahr. Trainager Wolf muss notgedrungen auf die Jugend setzen. Und diese jungen Wilden schlagen sich tapfer, die Youngster Achim Pfuderer und Nico Chatzis geben ihre Stammplätze nicht mehr her. Plötzlich spielt die Mannschaft sogar um den Aufstieg mit. Der Traum vom Durchmarsch zerplatzt durch eine Niederlage in Mainz, bei der am Ende der Partie sieben Feldspieler auf dem Platz stehen. Insgesamt zehn Platzverweise kosten den Kickers letzenendes den Aufstieg.

Paul Linz

In der Saison 97/98 fordert der Vorstand vom Trainer und Mannschaft den Aufstieg. Die Mannschaft spielt auch recht gut mit und steht nach einer 2:0 Führung gegen Fortuna Düsseldorf auf einem Aufstiegsplatz. Das Spiel geht aber noch mit 2:4 verloren, der Schock wirkt lange nach. Nach einem Auswärtssieg in Wattenscheid folgen fünf Niederlagen in Folge. Wolfgang Wolf wird entlassen, Interimscoach Schömezler verliert das sechste Spiel hintereinander. Der neue Cheftrainer Paul Linz erlebt seinen Einstand mit einer bitteren 2:3 Niederlage im Gottlieb-Daimler-Stadion. Ein Auswärtssieg in Uerdingen lässt wieder Hoffnung aufkommen. Dank eines in der Rückrunde überragenden Adnan Kevric und einer jetzt wieder geschlossenen Mannschaftsleistung wird der Klassenerhalt frühzeitig gefeiert. Gleichzeitig wird die Renovierung des Waldau-Stadion beendet und mit einem Sieg gegen Energie Cottbus feierlich eingeweiht.

Das blaue Wunder

Die Saison 98/99 beginnt ganz gut. Am sechsten Spieltag stehen die Kickers auf dem dritten Tabellenplatz, Trainer Linz redet seiner Mannschaft aber jegliche Spitzenqualitäten ab. Nach drei Niederlagen in Folge rutscht das Team bis zur Winterpause auf Rang acht ab und Trainer Linz fordert Neuzugänge. Diese werden ihm gewährt, trotzdem fällt das Team weiter ab. In der Winterpause geht mit Geschäftsführer Jacob der stärkste Befürworter des Trainers und Andreas Kleinhansl wird als neuer Manager verpflichtet. Nach sechs Niederlagen in Folge geht der Weg nach unten, der Abstand zu den Abstiegsplätzen schrumpft, der Trainer steht auch ob seiner mangelnden Saisonplanung in der Kritik. Vier Spiele vor Ende der Saison macht der Vorstand einen Schlußstrich: Paul Linz wird entlassen, Amateur-Interimstrainer und Kickers-Legende Ralf Vollmer wird Interimscouch. Trotzdem holen die Kickers nur noch ein Pünktchen und schaffen gerade so den Klassenerhalt. Zoltan Sebescen verlässt die Kickers nach 18 Jahren und wechselt zum VFL Wolfsburg zu seinem Ex-Trainer bei den Kickers, Wolfgang Wolf. Einige Wochen später debütiert er für die Deutsche Nationalmannschaft gegen die Niederlande.

Die letzte Saison des auslaufenden Jahrtausends wird zum absoluten Höhepunkt. Mit dem neuen “Regionalkonzept” im Rücken wird Michael Feichtenbeiner als neuer Trainer verpflichtet. Der ehemalige Cotrainer der Kickers versucht vergeblich der Mannschaft die Viererkette und modernen Fußball einzutrichtern. In der Liga läuft es nicht rund, dafür aber im DFB-Pokal. Nach einem spektaktulären 3:1 Sieg gegen den Tabellenführer der Bundesliga, Borussia Dortmund zieht man nach weiteren Siegen gegen die Bundesligisten Arminia Bielefeld und dem SC Freiburg ins Pokalhalbfinale ein. Gleichzeitig wird die Lage in der Liga im prekärer. In der Winterpause droht die offene Eskalation: Trainer Feichtenbeiner wirft die Spieler Markus Sailer und Alexander Malchow aus dem Kader. Nach dem äußerst unglücklichen Aus beim SV Werder Bremen in der Verlängerung kommt auch das Aus für ihn.

Dragoslav Stepanovic mit Giuseppe Carnevale

Trainer Feichtenbeiner. Viel zu lange hält der Vorstand an ihm fest, dafür kommt aber überraschend ein echter PR-Mann zu den Kickers: Dragoslav Stepanovic. Stepi schafft mit den Blauen fast das Unmögliche. Doch nach einem Unentschieden in Karlsruhe am letzten Spieltag und dem Ausgleichstreffer des direkten Konkurrenten FC St. Pauli in der 90. Spielminute müssen die Kickers absteigen. Allerdings nur für zehn Tage. Am “Blauen Montag” erreicht die Kickers das “Blaue Wunder”: Tennis Borussia Berlin erhält keine Lizenz und muss in die neugeschaffene zweigleisige Regionalliga absteigen. Die Kickers bleiben der Zweiten Bundesliga erhalten. Diese Freude ist allerdings trügerisch. Die Hypothek der späten Planung ist zu groß. Die Kickers müssen trotz einer Rückkehr des des früheren Aufstiegstrainer Rainer Zobel in die Drittklassigkeit absteigen. Ein weiteres blaues Wunder bleibt aus.

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